Sonntag, 6. Juli 2014

Als Volunteer in der Karibik

Das ich die letzten Wochen nichts von mir habe hören lassen hat einen guten Grund:
Ich bin in Limon als Volunteer auf einer Tierauffangstation (CostaRica Wildlife Sanctuary). Ich habe mit einfachsten Hütten, keinen Strom, kalten Duschen und erst recht nicht mit WiFi gerechnet. Tatsächlich gibt es hier hostelähnliche Zimmer, Strom, einen Pool und manchmal sogar Internet. Damit die Enttäuschung nicht zu groß ist: Die Duschen sind wirklich kalt ;-) aber das reicht auch, da es sich ohnehin nicht lohnt früh morgens duschen zu gehen da man im Laufe des Tages beworfen, angepinkelt (im günstigen Falle) und beklettert wird ;-)
Nachtrag: Poas Vulkan in Costa Rica

Herzlich empfangen werde ich gleich von vier  Hunden, allen voran Stripes der Stationsnervensäge (der leider nie müde zu werden scheint) und sechs anderen Volunteers.
Volunteerzimmer. Gelegentliche Affeneinbrüche inclusive

Was gibt es hier eigentlich für Tiere?
Da haben wir zunächst einmal die Kinkajous (Wickelbären oder Honigbären), die tagsüber meistens schlafen, aber wehe wenn nicht! Bei meiner ersten Begegnung mit ihnen musste man mich anschließend aus dem Käfig befreien, da sie die Bonbons in meiner Hosentasche witterten und nicht mehr von mir abließen. Eine ganz schlechte Idee ist es einen Regenmantel bei der Fütterung anzuhaben, da sie versuchen in jedes Kleidungsstück reinzukrabbeln.
Dann haben wir noch Spidermonkeys, Brüllaffen und Kapuzineräffchen. Letztere sind meine Lieblinge: Hier sollte man auf jeden Fall jemand dabei haben der sie ablenkt, wenn man in den Käfig muss (vor allem wenn man wieder raus will). Keinesfalls sollte man was in den Taschen haben, die beiden sind ausgesprochene Taschendiebe. Im Käfig selber ist man dann die Hauptattraktion und ehe man sich versieht bekommt man Obststückchen in den Mund gestopft. Ihr Lieblingsspiel ist etwas in die Hosentaschen zu stecken und dann wieder rauszuholen.
Simona und Wim. Zwei Ausbruchskünstler


Es gibt Billy den Nasenbär (der ausgesprochen übellaunig ist. Seit wir ihm aber ab und zu eine Krabbe im Käfig zum Fraß vorwerfen ist er wesentlich besser gelaunt.), Bambi das Reh, Papageien, zwei angriffslustige Tucans im Butterflygarden, Schildkröten, Eulen und eine Unmenge Faultiere.


der zweite verpasste mir in diesem Moment eine blutige Zehe

Amanda ein Spidermonkeyweibchen


Außerdem gibt es noch jede Menge Fledermäuse (in der Toilette), unmengen Moskitos, Ameisen, Ratten und Krabben (welche als Nahrungsergänzung für Billy dienen).

Unsere Aufgaben hier sind, den Tieren ihr Essen zuzubereiten und ins Gehege zu bringen, die Käfige zu reinigen, gelegentlich Spielzeuge für die Tiere zu bauen,
mein Spielzeug fuer die Papageien
Kapuzineraffen wieder einfangen und babysitten der Tierbabys die keine Eltern haben. Da hätten wir Feluco und Mogli zwei Brüllaffenbabys. Während der erste überaus aktiv ist, ist Mogli eher depressiv und braucht viel Zuneigung. Dafür ist Mogli auch der einzige der ganzen Brüllaffenbande, der von einem herunterklettern bevor er sich erleichtert.
Mogli

Daneben gibt es noch drei Faultierbabys: Snowball und Tito sowie Saharry. Während Snowball sehr lieb ist und gerne klettert und nur manchmal auf dem Arm genommen werden möchte, ist Tito ausgesprochen quengelig und versucht zu beißen. (Was bei der Geschwindigkeit von Faultieren kein wirklich gefährliches Unterfangen ist)
Snowball

Besonders spannend ist es zu sehen wie die Tierchen miteinander agieren, wenn Mogli auf einem Faultier reitet oder wenn die Kapuzineräffchen besonders sanft und behutsam ein Brüllaffenbaby anfassen.

Leider kann ich bis jetzt nicht all zuviel über die Vergangenheit dieses Ortes herausbekommen, aber das scheint hier früher eine Touristenattraktion gewesen oder zumindest als solche geplant worden zu sein. Darauf deuten ein prachtvolles Eingangstor hin, vollkommen überdimensionierte Küche und Speiseraum, ein Pool (zum Glück wieder reaktiviert) mit Planschbecken, unfertige und zugemauerte Duschen, eine große Schmetterlingsvoliere (ohne Schmetterlinge) und viele überwucherte Wege und Pfade.
Speisesaal

verlassenes Ausflugsboot

Weg zum Schmetterlingsgarten

Schmetterlingsgarten

Leider habe ich hier meine Kamera geschrottet und nur unzureichenden Ersatz gefunden. Also nicht wundern wenn die Bilder ab jetzt anders werden.
die anderen Volunteers

Die drei Wochen vergehen wie im Flug und so muss ich leider schon wieder Abschied nehmen von den vielen Tierchen. So schwer mir der Abschied auch fällt ich bin doch auch froh mal wieder Klamotten zu haben die nicht dauerklamm von der Luftfeuchtigkeit sind, von welligem Papier und Biotopen auf den Schuhen ganz zu schweigen. Mit dem Bus (genauer gesagt mit dreien) geht es runter bis zum Pazifik. Das klingt leichter als es ist, da jede Busgesellschaft ihr eigenes Busterminal hat welche quer über San Jose verstreut sind. Aber inzwischen bin ich safe and sound in Manuel Antonio angekommen und werde mir morgen den Nationalpark ansehen.

Einziger Nachteil meiner Arbeit: wenn ich jetzt Broschüren sehe in denen mit möglichen Affen- oder Faultierbeobachtungen geworben wird kann mich das nicht mehr vom Sockel hauen :-)

Kommentare:

  1. hi Dirk, du hast also pinkeln, beißen und als Kletterbaum benutzt zu werden gut überstanden? aber ich glaub, du hast gaaaanz viele Freunde zurück gelassen,oder nicht? lg Heidi

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  2. Wow, klingt ja klasse. Wieviele Tiere hast Du jetzt in Deinem Rucksack :-) ?

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  3. Hey, was ist denn aus deinem Sprachkurs geworden. Wie lange ging der denn und mit welchem Erfolg hast du den denn absolviert?
    Sandy

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  4. @Heidi: definitiv
    @Katja: keines, leider
    @Sandy: der ging bloss 2 Wochen. direkt danach hatte ich zwar das Gefuehl, dass es zu kurz war, aber jetzt im Alltag merke ich, dass doch einiges haengengeblieben ist

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