Sonntag, 6. Dezember 2015

Iran 1: Von Frankfurt bis Yazd

"IRAN??? Ist das nicht gefährlich?!"

Das höre ich einige Male als ich von meinem nächsten Reiseziel erzähle. Tatsächlich bestand dann die einzige Gefahr darin überhaupt nicht anzukommen, da ich direkt in den Lufthansastreik gerate.
Laut Aussage des Personals vor Ort habe ich Glück. Die Maschine nach Teheran sei eine der wenigen die nicht gecancelt wurde. Nachdem ich mein Gepäck aufgegeben und meinen vorsorglich gebuchten Ersatzflug storniert habe gehe ich durch menschenleere Gänge in denen bereits Feldbetten aufgestellt sind. Die Freude währt nur kurz: Als die Checkinzeit erreicht ist bedauert das Bodenpersonal, dass die erforderliche Mindestanzahl der Boardcrew doch nicht aufgetaucht ist und der Flug storniert wird.
Also zurück in die Tickethalle, warten bis geprüft wird ob ich überhaupt in der richtigen Schlange stehe, Nummer ziehen, wieder warten, drankommen. Ich erfahre, dass ich bereits auf Iranair für den nächsten Tag umgebucht bin (hm, eine Airline, die aufgrund des Embargos möglicherweise Probleme bei der Ersatzteilbeschaffung hat?). Danach den Rucksack wieder aus der Gepäckanlage zurückholen, vor dem Flughafen auf den Bus zum Hotel warten, ... . Als kleine Zwischeneinlage sperrt die Polizei die Straße und evakuiert den Weg aufgrund eines herrenlosen Koffers.
die beiden Herren hängen überall rum

Am nächsten Tag bin ich pünktlich am Iranairschalter. Während die Dame mich versucht einzuchecken, lernt sie zeitgleich die Kollegin links von ihr an und beantwortet Fragen vom Kollegen rechts von ihr. Da soll nochmal jemand sagen Frauen sind nicht multitaskingfähig. Ich sehe im Geiste schon wie mein Rucksack irgendwo über Afghanistan abgeworfen wird.

Iranair ist besser als erwartet. Zwar eine deutlich alte Maschine, aber großzügig Beinfreiheit und guter Service. Nachdem heute keine Lufthansaflugzeuge den Himmel verstopfen heben wir auch früher als geplant ab.
Taxi voller Kinder

Nächste Unsicherheit: Die Einreise. Eigentlich wollte ich mir vorab ein Visa besorgen, aber die dazu benötige Nummer des iranischen Außenministeriums kam so spät, dass es kaum noch möglich war zur Botschaft zu fahren. Aber zum Glück gibt es für einige europäische Länder seit einer Woche ein 30 tägiges Visa On Arrival. Zuerst muss man eine Krankenversicherung für 15 Euro kaufen (die englische Bestätigung meiner heimischen Versicherung wird nicht akzeptiert). Danach will der Beamte einen "Letter of Invitation" sehen und anschließend muss ich noch ein kurzes Formular (wesentlich kürzer als das Formular für das Vorabvisa) ausfüllen und 60 Euro zahlen. Die ganze Prozedur dauert nachts um 1:00 gerade mal 10 Minuten.

Nachdem um diese Zeit keine Busse mehr fahren nehme ich ein Taxi und lasse mich wie ein Greenhorn übers Ohr hauen: Die offizielle Währung ist Rial, aber die Preisansagen sind meist in der alten Währung Tuman, welche eine Zehnerstelle weniger hat, also 10 Tuman sind tatsächlich 100 Rial. Damit wurde die vermeintlich billige Taxifahrt doch ziemlich teuer aber um 2.00 nachts erreiche in mein Hotel.

being a millionair in Iran
Um mal mit einigen Irrtümern über den Iran aufzuräumen:
- "Frauen sind alle verschleiert": Es gibt zwar ein paar wenige die vollverschleiert sind, aber die meisten Frauen kleiden sich ausgesprochen modern. Selbst die Kopftuchpflicht wird sehr flexibel gehandhabt.
- "Niemals den Daumen nach oben zeigen, das ist eine Beleidigung": Die Iraner können sehr wohl zwischen Daumen hoch i.S.v. "Alles Okay" und einer beleidigenden Geste unterscheiden.
- "Als Mann keiner Frau in die Augen sehen oder sie ansprechen. Als Frau keinen Mann ansprechen.": Man sollte zwar eine gewissen Rückhaltung bewahren, aber man kommt durchaus auch mit Iranerinnen ins Gespräch.
Lichtspiele in der Moschee

Von vielen Leuten wird man mit einem "Welcome to Iran" angesprochen angefangen von Schülern über schwarzgekleidete Frauen bis hin zu Soldaten. Lediglich als sich ein Soldat einmal gar zu ausführlich mit uns unterhält löst sich plötzlich ein schwarzgekleideter Mann aus der Menge, flüstert ihm etwas zu und der Soldat verabschiedete sich dann auffällig schnell.
Teheran ohne Smog

Ausgangspunkt meiner Tour ist Teheran. Eine leider meist smogverhangene Großstadt. Wenn sich aber der Smog mal lichtet ist man erstaunt wie nahe die schneebedeckten Berge sind. In Teheran gibt es ein paar sehenswerte Museen (zb das Nationalmuseum oder das Juwelenmuseum), Schlösser und Gärten. Aber auch weniger Sehenswertes wie zum Beispiel das Teppichmuseum, welches den Charme eines verlassenen Möbelhauses aus den 70ern versprüht in dem man versehentlich noch 20 Teppiche hat hängen lassen. Fairerweise muss man sagen, dass ein Teil des Museums gerade umgebaut wird. (Sonst hätte man 40 Teppiche gesehen :-) )
"Highlight": Teppichmuseum

Zunächst geht es erst einmal mit dem Zug nach Yazd. Sehenswert ist da, neben den üblichen Moscheen, die Altstadt aus Lehmbauten und die Towers of Silence. Dabei handelt es sich um eine alte Totenstätte, bei der die Leichen nicht vergraben wurden sondern als "Vogelfutter" ausgelegt wurden. Flankiert wurde das Ganze von diversen Häusern für die Familienangehörigen. Dia Anlage ist nicht mehr in Betrieb, sondern zerfällt. Man merkt den großen Vorteil den Iran aktuell noch als Reiseland hat: Nach dem Zahlen des Eintritts kann man sich fast alleine frei auf dem Gelände bewegen. Nichts ist abgesperrt, egal wie baufällig es ist und nur gelegentlich sieht man ein paar andere Touristen.
Towers of Silence

Towers of Silence

Wenn man im Iran ist kommt man fast nicht drum herum auch mal eines der Badehäuser zu besichtigen. Mit etwas Glück ist keiner drin und man kann ungestört Fotos machen. Einige der zahlreichen traditionellen Teestuben befinden sich in ehemaligen Badehäusern, was dem Tässchen Tee und der Shisha noch mal ein ganz besonderes Ambiente verleiht.
Teestube


Apropos Essen: neben dem klassischen Persischen Gerichten, wie Lamb Kebab, Dizy (angeblich eines der ältesten bekannten Gerichte überhaupt) u.a. stehen die Iraner sehr auf Fastfood und erstaunlicherweise auf die amerikanische Konsumkultur. So gibt es genug Fastfood Läden, die Starbucks McDonalds und co. nachgeahmt sind. Die Pizzen und Hamburger die man dann bekommt haben aber wenig mit denen auf den Abbildungen zu tun was nicht heißt, dass es nicht trotzdem lecker ist.
netter Versuch


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